Im ganzen weiten Gebiet der Alpen gibt es keine zweite Längstalfurche, die so ausgeprägt ist wie die Linie zwischen Chur und Martigny: Fast in gerader Linie trennen Vorderrhein,- Ursern- und Rhonetal die Gebirgszüge in Nord- und Südalpen.
Man kann aus Urkunden sicher schliessen, dass ums Jahr 1100 "Ursaria" (Das Bärental) lediglich sommerliches Alpengebiet ohne ständige Besiedelung war. Bis zur Furkapasshöhe hinauf gehörte dieses Gelände dem Benediktinerkloster Disentis, das schon um 750 in der "Desertina" (Einsamkeit) gegründet wurde. Die Gegend war damals wie heute ganz romanisch, worauf ja die alten Flurnamen hindeuten. Im Jahre 1309 treten nun aber in einem Vertrag zwei Männer namens Konrad "an der Matte" (Vater und Sohn) auf - der sprachliche Weg zum Dorfnamen Andermatt ist hieraus nicht schwer zu finden. Diese Leute aber müssen deutschsprachiger Herkunft gewesen sein: Sie kamen aus dem Goms, dem obersten Abschnitt des Rhonetals. Die weitere Wanderung nach Osten war eigentlich gegeben. Der Oberalpübergang mit seinen sanften Lehnen und weichwelligen Weiden bot keine Schwierigkeiten. So ist man heute überzeugt, dass sich einzelne kinderreiche Familien aus dem Oberwallis zuoberst am Vorderrhein ansiedelten: Tschamut hängt offensichtlich mit dem typischen Walliser Namen "Zmutt" zusammen. Wie interessant kann doch Namenforschung sein: Wenn um 1402 das Dorf Ruèras "Riferis" heisst, lässt sich daraus unschwer die Beziehung zur "Rüfi" entnehmen, die noch heute durch einen alten Ablenkdamm von der Siedlung abgehalten wird.